Was ist eine freie Trauung?

Ja, was ist denn eigentlich eine freie Trauung? Ist denn nicht jede Trauung „frei“? Und wenn es Trauungen gäbe, die nicht frei sind, was sind diese denn dann?

Fragen über Fragen. Neulich, als ich bei einer Hochzeit ganz weit oben im Nord-Osten von Mallorca war, lugte ein interessierter Zaungast neugierig über die Hecke. Wir waren gerade bei den letzten Vorbereitungen. Soundcheck, Ringe, Kerzen, Deko, usw. Ich erklärte ihm, dass wir hier gleich eine „freie Trauung“ feiern werden. Man sah förmlich die Fragezeichen über seinem Hirn aufsteigen. Diesen Begriff, hatte er noch nie gehört.

Das ist eine freie Trauung!

Irgendwie kann ich ihn verstehen. Wieso sollte es denn auch „unfreie Trauungen“ geben? Schon ein seltsamer Begriff, oder nicht? Doch was versteht man denn nun eigentlich unter der „Freien Trauung“?

Allgemein beschreibt das „frei“ in „Freier Trauung“ eigentlich nur den kirchen- bzw. zivilrechtlichen Rahmen. Frei bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zeremonie, die wir miteinander feiern, keinerlei rechtliche Folgen hat. Ihr seid damit also danach nicht „katholisch/evangelisch getraut“, oder gar als zivilrechtlich anerkannte Ehe irgendwo eingetragen. Nein, das seid ihr nicht. Aber wäre das denn wirklich der Kerngedanke einer Trauung?

Freie Trauung bedeutet, dass es niemanden gibt, keine Institution, kein Standesbeamten und keinen Priester noch Pfarrer, der Euch irgendwelche Spielregeln diktiert, an die ihr Euch zu halten habt. Weder während der Trauung und schon gar nicht während Eurer Ehe.

Die eigentlich Frage wäre doch eher …

Wie frei darf´s denn sein?

In den hunderten von Vorgesprächen die ich mit Paaren in den letzten Jahren geführt habe, wurde oftmals eine Tendenz deutlich: Für viele Paare bedeutet „Freie Trauung“ auf keinen Fall kirchliche Trauung. Sie bitten, auf keinen Fall irgendwelche Elemente in die Zeremonie zu integrieren, die auch nur irgendwie an „Kirche“ erinnern könnten.

Per Definition ist allerdings ein Ausschluss aus der Fülle aller Möglichkeiten dann aber ja nicht mehr frei, oder? Aber ich verstehe den Impuls. Kirche steht für Viele heute als lebensferne und lebensfremde Verwaltungsorganisation da, zu der man nicht nur keinen Bezug mehr hat, sondern auch das Gefühl, sich vor ihr schützen zu müssen. Man will sich von einer Verwaltung, die ihre ganz eigene Interpretation spiritueller Antworten auf die persönlichen Fragen des Lebens zu haben glaubt, nichts vorschreiben lassen. Leider geht bei der Abwehr der Verwaltung meist auch der freie Zugang zu unserer christlichen Spiritualität flöten. Das ist traurig.

Die Chance der „Freien Trauung“ als Paar wirklich frei aus der Fülle aller Möglichkeiten zu schöpfen um die ganz eigene Liturgie, die ganz eigene Trauzeremonie zu gestalten, wird schneller zu einer Aufgabe, die ganz so leicht dann doch nicht mehr von der Hand läuft.

Auch wenn „Freie Trauung“ eigentlich nur den rechtlichen Kontext meint, ich bin davon überzeugt, wenn eine Trauung von tiefsten Grund sich nicht aus zwei freien Herzen gestaltet, die sich entschieden haben, der Liebe in ihrem Leben Raum zu geben, dann ist das gar keine Trauung. Dann nennt man das Zweckgemeinschaft.

Rituelle Elemente einer freien Zeremonie

Um die Ausgestaltung Eurer Hochzeitszeremonie Euch ein wenig leichter zu machen, habe ich aus hunderten von Hochzeiten nicht nur ein Bisschen Erfahrung, sondern auch eine Menge Ideen, die ich Euch gerne anbieten möchte. Während unserer gemeinsamen Gespräche und Planungen sucht ihr Euch einfach die Dinge & Rituale aus, die zu Euch passen. Oder besser noch, ihr entwickelt Eure ganz eigenen.

Ganz grundsätzlich spiegelt die Trauzeremonie eigentlich Eure gemeinsamen Weg als Paar wieder. Es beginnt mit dem Kennenlernen (Einzug der Braut), der Entscheidung als Paar einen eigenen Weg zu gehen (Papa übergibt die Braut dem Bräutigam), durchläuft Eure Geschichte (Trauansprache) und führt ins Jetzt und Hier, an den Punkt, an dem ihr gemeinsam entscheiden wollt, bis ans Ende Eurer Tage diesen Weg auch fortzusetzen (Trauritual). Und genau so strukturiert man die Freie Trauung, Eure Hochzeit auch.

Grundsätzliche Elemente der Zeremonie

Eure Freie Trauung braucht eine innere Struktur, das ist klar. Sie braucht einen Anfang und ein Ende. Das nennt man bei der freien Trauung: Einzug & Auszug. Damit stehen die Grundpfeiler schon mal.

Der Einzug

So trivial es auch klingen mag, aber diese Eckpfeiler sind von entscheidender Bedeutung dafür, wie ihr Eure Trauung erleben werdet. Zieht ihr beispielsweise gemeinsam bei „Highway to Hell“ von AC/DC ein, werdet ihr auch den weiteren Verlauf Eure Trauung anders erleben, als wenn der Papa die Braut bei Wagners Hochzeitsmarsch langsam und Schritt für Schritt nach vorne begleitet.

Oder noch festlicher: wenn Ihr einen doppelten Einzug gestaltet. Hier ziehen zuerst die Trauzeugen, oder Bridemaids & Gooseman als erstes ein (auch gerne mit einen ganz eigenen Einzugslied), dann erst folgt die Braut. Festlicher geht fast nicht mehr. So bekommt Eure Trauzeremonie einen sehr festlichen Charakter.

Der Auszug

Das Gleiche gilt auch für das Ende. Findet Eure Trauung zum Beispiel kein wirkliches Ende, weil Freunde oder Eltern unbedingt noch lange Reden zum Schluss halten wollen, dann erlebt ihr die Zeremonie wie ein „Kaugummi“. Alles dehnt sich und findet einfach kein Ende. Umgekehrt ist es, wenn man  zum Beispiel direkt mit dem Brautkuss das letzte, fetzige Auszugslied anspielt und ihr mit einem großen „Bang“ direkt auszieht – und alle hinterher.

Die Variante, die am meisten gewählt wird, ist allerdings ein wenig sanfter. Mit den kurzen Glückwünschen der Trauzeugen und Freunde zieht ihr gemeinsam und fröhlich aus – und ab auf Eure Party. Hat man festlich begonnen, dann würden hier jetzt die Blumenkinder vorausgehen und Eure Trauzeugen, Bridemaids/Gooseman folgen. Dann Eure Gäste. Meist werdet ihr dann irgendwo stehen bleiben, um die Glückwünsche aller entgegen zu nehmen, bevor die Party steigen kann.

Die Eröffnung

Damit wirklich alle im Boot sind und auf Eurer Zeremonie ankommen, ist die Eröffnung der nächste liturgische Baustein. Bei der freien Trauung ist das die fröhliche Begrüßung von Euch als Paar und Euren Gästen. Gibt es ein rhetorisches Leitmotiv, werde ich das an dieser Stelle schon einweben, ist es eine freie Trauung die auch christlich-spirituell sein darf, dann beginnen wir Eure Trauung mit dem „Gottesgruß“.

Die Trauansprache

Die Trauansprache habe ich in den vergangenen Wochen aus den Inhalten entwickelt, die ihr mir bei unseren Gesprächen erzählt, oder auf meine Fragen in meinem kleinen Fragebogen geantwortet habt. Wenn Ihr einen Trauspruch gewählt habt, dann taucht der in der kleinen Ansprache genau so wieder auf, wie die Pointen Eurer Geschichten und Erlebnisse als Paar. Ich versuche immer eine gute Mischung aus Fröhlichkeit, Witz, Tiefsinn und Festlichkeit zu erarbeiten. Alles zu seiner Zeit aber Hauptsache: Ihr findet Euch als Paar wieder und die Trauansprache hilft, Euch auf das folgende Trauritual einzustellen.

Die Trauung

Jetzt und hier wollt ihr nun einander Eure Entscheidung kundtun. Ihr wollt Euch versprechen, Euren guten Weg auch bis in alle Zukunft gemeinsam fortsetzen zu wollen. Das ist eine große Entscheidung. Das ist das Herz Eurer Trauung. Grundsätzlich gibt es hier drei Phasen: (1) Eure Trauversprechen (Warum ihr Euch entschieden habt), (2) Die Traufrage (Die Frage nach Eurer Entscheidung), (3) Eure Antwort (Wie ihr Euch entschieden habt). Das ist – wenn man so will – ein „Verbindungsritual“. Antwortet ihr beide mit „Ja, ich will!“ dann ist Eure Verbindung geschlossen, Eure Ehe begründet.

Es folgen „Bestätigungsrituale“, Rituale, die auf einer anderen Ebene Eure Verbindung wiederholen, bzw. bestätigen. Der Brautkuss ist so ein Ritual zum Beispiel. Aber natürlich auch der Ringtausch, das pflanzen eines gemeinsamen Baumes, „Tying the Knot“, das Traubuch, usw. usw.